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Leben + Geniessen

1990 begann das kollektive Jubeln

Vor dem Public Viewing kam das gemeinsame Feiern. Als das DFB-Team 1990 in Rom das WM-Finale gewann, gab es auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Bergisch Gladbach eine Spontan-Fete.

VON KLAUS PEHLE


Autokorsos hatte es zuvor in Deutschland kaum gegeben. Eine Kollektiv-Party in diesem Ausmaß erst recht nicht. Als Andi Brehme am 8. Juli 1990 den Foulelfmeter mit seinem rechten Fuß in die linke Ecke des argentinischen Tors versenkte, waren noch fünf Minuten des WM-Finales zu spielen.

Der südamerikanische Keeper Goycochea galt eigentlich als Elfmeterkiller und die Argentinier um ihren Kapitän Diego Maradonna waren gedanklich schon beim Elfmeterschießen. Keine einzige Torchance hatte sich der amtierende Weltmeister bis dahin erspielt, Maradonna war dank einer starken Manndeckungsarbeit von Guido „Diego“ Buchwald über 90 Minuten abgemeldet.

„Das Spiel ist aus – Deutschland ist Weltmeister“. Die Stimme von ARD-Kommentator Gerd Rubenbauer überschlug sich fast, als das Spiel um 21.50 Uhr zu Ende war. Der Abpfiff war in ganz Deutschland der Anpfiff zu einer riesigen Party, wie es sie lange nicht beim Fußball gegeben hatte. Im Bergisch Gladbacher Zentrum waren kurz nach dem Spielende die ersten Hupkonzerte zu hören, in Paffrath zündete man mitten auf der Kreuzung Rauchbomben und Böller.

Die Menschen wollten raus, runter vom Sofa oder von der heimischen Terrasse, wo sie das Spiel geschaut hatten. Kurz nach 22 Uhr kamen die ersten Menschen mit Sektflaschen und Bierdosen auf dem Konrad-Adenauer-Platz zusammen. Man feierte den dritten deutschen WM-Titel nach 1954 und 1974 mit einer großen Party, die bis in die Nacht ging. Das war damals neu und hat in ganz Deutschland nachhaltig für eine Fußballeuphorie gesorgt.

Heute ist das Rudelgucken oder Public Viewing völlig normal. Wie selbstverständlich wird in großer Gesellschaft geguckt, wenn Deutschland am 17. Juni im ersten Spiel auf Mexiko trifft. Und natürlich wird es wieder eine Riesenparty geben, wenn sich die Deutschen am 15. Juli ihren vierten WM-Titel holen. Und wenn nicht? Dann weint man halt ein Ströphchen. Aber auf jeden Fall zusammen.

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