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Das Alte Arbeitsamt an der Hauptstraße, an der zuletzt das Stadtarchiv residierte, soll abgerissen werden.

Abrissbirne am Alten Arbeitsamt?

Die Obere Hauptstraße in Gladbach galt schon immer ein wenig als Sorgenkind, weil ihr die große Anziehungskraft fehlt. Feuerwehr und Kino sind verschwunden, das Arbeitsamt schon lange. Und das Stadtarchiv ist an die Scheidtbachstraße gezogen.

VON WALTER K. SCHULZ

Die Hauptstraße 310, in der einst unter anderem Arbeitsamt und Stadtarchiv residierten, steht wieder einmal im Fokus. Rollt bald die Abrissbirne an?

Die Anwohnerin Friederike Naroska – Autorin, Übersetzerin, Redakteurin und Illustratorin – hat eine Petition mit 108 Unterschriften an die Stadt gesendet, um den Abriss des Gebäudes zu verhindern. Leider stehe die Hauptstraße 310 nicht in der Denkmalliste, wenngleich sie unlängst als „erhaltenswert“ bezeichnet worden sei, sagt die Initiatorin, die schon öfter mit Anliegen im Rathaus vorstellig wurde.

Aktuell ist ihr Anliegen beim Bürgermeister und beim Gestaltungsbeirat aufgeschlagen. Auch wenn die Großwetterlage keineswegs für den Erhalt spricht, will sie am Ball bleiben: „Wir haben Angst, dass da ein hässlicher Klotz für eine weitere Verschlechterung unseres Viertels sorgen wird.“

Die Immobilie gehört noch der Stadt; die Rheinisch-Bergische Siedlungsgesellschaft (RBS) hat aber zum Bau von dringend notwendigen Sozialwohnungen einen „definitiven Blick“ darauf geworfen.

In einem Bürgerportal im Internet hat Friederike Naroska eine Fotovision eines massiven Neubaus veröffentlicht, die Stadtsprecher Martin Rölen jedoch als „ein wenig populistisch“ einstuft. Es stehe noch nicht fest, wie das neue Gebäude aussehen werde, es liege auch noch keine Bauvoranfrage, geschweige denn ein Bauantrag vor. Die Stadt habe das alte Gemäuer von oben bis unten auf den Prüfstand gestellt. Resultat: Höchst marode, arge Baumängel, Sanierung wegen zu hoher Kosten ausgeschlossen. Bei der Frage nach der künftigen Nutzung sei der Schaffung von Sozialwohnungen die höchste Priorität einzuräumen, so Rölen weiter.

Der Gestaltungsbeirat werde darauf achten, dass dort „kein(e) Pappschachtel bzw. Pappkarton entsteht“, so Rölen. Zu einer theoretischen Aufnahme in die Denkmalliste müsse man feststellen, dass nicht alle Gebäude, die geeignet seien, tatsächlich in die Liste aufgenommen würden. „Denkmalwürdig“ sei das Gebäude indes nicht, stellte die Denkmalpflege aktuell fest.

Bürgerstimmen im Internet sind gespalten. Die einen sagen zum Alten Arbeitsamt „ortsprägend vielleicht, aber erhaltenswert?“, andere meinen, gerade wegen der Geschichte des Hauses und der Mieter (unter anderem Arbeitsamt und Stadtarchiv) sei es – als historischer Schauplatz – erhaltenswert. Der einstige Leiter des Arbeitsamtes, Peter Walterscheidt, wurde im Dritten Reich von SA-Horden in seinem Arbeitszimmer mit Pistolen und Peitschen überfallen. Die Nazis, die den Sozialdemokraten mit Faustschlägen und Fußtritten traktierten und schließlich in die Arrestzelle des Polizeigefängnisses warfen, trieben ihn durch die Hauptstraße – ein entwürdigendes Spießrutenlaufen durch die Stadt. Indes: Für das Grundstück steht in der Stadt der Beschluss, „die Kooperation mit der RBS durch Veräußerungsangebote hinsichtlich baureifer Grundstücke fortzuführen“.

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