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Aktuell

Corona – schlimmer als befürchtet

STADTGESPRÄCH. Noch vor einem Monat gab das Gesundheitsamt Infos darüber, wie man sich verhalten sollte, wenn oder falls das neuartige Virus nach Bergisch Gladbach kommt. Doch das ist Schnee von gestern. Wie Bergisch Gladbach mit der Situation nun umgeht.

VON HANS-WERNER KLINKHAMMELS

SARSCoV-2 oder auch COVID-19 ist angekommen. Es gibt (Stand 29. März) 200 bestätigte Corona-Fälle im Rheinisch-Bergischen Kreis, davon in Bergisch Gladbach 86. Auch diese Zahlen werden sich überholt haben, wenn Sie dies lesen.

Am 22. März haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, zumindest eine sogenannte Kontaktsperre zu verhängen. In manchen Ländern wird daraus eine Ausgangssperre. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bittet genauso wie Landrat Stephan Santelmann und Bürgermeister Lutz Urbach eindringlich darum, die Vorgaben und Richtlinien einzuhalten. Urbach: „Bitte bleiben Sie zu Hause. Das fällt uns wahnsinnig schwer, weil wir gerade in Krisenzeiten zusammenrücken wollen. Wir wollen uns auch einander begegnen, wir suchen die Nähe, aber genau das ist jetzt falsch.“

Und natürlich soll man, wie Laschet sagte, „an die frische Luft, weil das gesund ist“. Doch das maximal im Familienverband oder zu Zweit. Auch zum Einkaufen oder für Arzt- und Apothekenbesuche muss man raus, aber dabei sollte sich jeder an die von den Ärzten oder Einzelhändlern aufgestellten Regeln halten.

Dazu Ursula Wintgens, die in Bensberg einen Supermarkt betreibt: „Wir haben Abstandhalter, Bodenmarkierungen, Plexiglas an den Kassen angebracht. Unsere Mitarbeiter tragen Buttons auf ihren T-Shirts mit der Aufschrift „Bitte Abstand halten“. Dazu desinfizieren wir regelmäßig alle Einkaufswagen und die EC-Geräte, unsere Kassiererinnen waschen sich regelmäßig die Hände und nutzen den Desinfektionsschutz, für unsere Kunden haben wir ein mobiles Waschbecken bereitgestellt. Wir setzen unsere Gesundheit aufs Spiel für unsere Kunden. Das tun wir gerne und die Kunden wissen das. Sie schenken uns dafür jede Menge Schokolade und Pralinen.“

Andere, die ihre Läden oder Büros, Clubs oder Gaststätten bereits schließen mussten, sind nun zusätzlich von Existenzängsten bedroht. Wie etwa auch Gerd-Josef Pohl, der seit vielen Jahren den Puppenpavillon in Bensberg betreibt. „Wir haben wegen des Corona-Falls an der Realschule als erste überhaupt in der Stadt geschlossen. Wir brauchten nicht zu schließen, aber“, so Pohl weiter, „mir war das gespenstisch“. Die persönlichen Rücklagen und die des Fördervereins seien wegen der neuen Produktionen bereits aufgebraucht, die Einnahmen seien zu 100 Prozent weggebrochen, den Sofortmaßnahmen des Landes vertraue er nicht. „Ich habe nun Kindergärten und Schulen angeschrieben, und darum gebeten, Auftritte bereits jetzt in Auftrag zu geben und zumindest anteilig zu bezahlen. Was mir persönlich Mut macht, sind die vielen liebevollen Anrufe und tröstenden Worte meiner Mitmenschen, aber auch die Gewissheit, dass andere Generationen größere Schwierigkeiten überwunden haben“. Sein Fazit lautet trotz allem: „Uns geht es noch verdammt gut!“

Ihren Dienst leisten vor allem aber auch die Krankenhäuser. Manch ein Krankenhaus, etwa das Evangelische Krankenhaus Bergisch Gladbach hat den Besucherverkehr eingestellt. Besuche von Patienten sind nur noch in Ausnahmefällen möglich und müssen mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Ausnahmen sind etwa Patienten, die im Sterben liegen oder bei Kindern.

Planbare Operationen und ambulante Behandlungen werden verschoben, um Kapazitäten für die Behandlung von Corona-Patienten vorzuhalten. Um auf einen steigenden Bedarf reagieren zu können, wird außerdem die Zahl der Intensivbetten derzeit Schritt für Schritt erhöht.

Bürgermeister Urbach dankt deshalb allen, die in diesen Tagen ihren Dienst an Stellen tun, wo sie gebraucht werden. „In den Krankenhäusern, aber auch in den Supermärkten, in den Banken, an den Tankstellen und auch in unseren Verwaltungen, die dafür sorgen, dass unser Alltagsbetrieb weiter funktioniert. Die Müllabfuhr, das Abwasserwerk. Und ich möchte danken den Mitgliedern unserer Krisenstäbe in den Kommunen und auch beim Kreis, wo rund um die Uhr gearbeitet wird, an sieben Tagen in der Woche, damit unser Gemeinwesen nicht zum Erliegen kommt.“

Bürgertelefon
Das Bürgertelefon des Rheinisch-Bergischen Kreises ist für medizinisch-gesundheitliche Fragen rund um das Corona-Virus unter der Woche von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 02202 131313 erreichbar.

Achtung: Betrüger wollen Corona-Tests durchführen

Gewarnt wird vor einer neuen Betrugsmasche; die ersten Fälle sind bereits im Rheinisch-Bergischen Kreis aufgetreten. Betrüger
in Schutzkleidung klingeln an den Haustüren und geben sich als Mitarbeitende des Gesundheitsamtes aus, die einen Corona-Test
durchführen wollen. Ziel der Betrüger ist es, sich mit dieser Masche Zutritt zu den Wohnungen zu verschaffen. Der Rheinisch-Bergische Kreis weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gesundheitsamt keine häuslichen Kontrollen durchführt. Der Kreis bittet, die Polizei zu alarmieren, falls jemand versucht, diesen kriminellen Trick anzuwenden.

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