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Finanzen + Handwerk

WIRTSCHAFTSRÄUME IN GL – TEIL IV: GEWERBEGEBIET HERMANN-LÖNS-VIERTEL – von Ulrich Kläsener

Der stille Star: Klein, fein, vital

Eher leise, still und heimlich hat sich im Bergisch Gladbacher Westen in den letzten 20 Jahren ein lebendiges Stadtviertel entwickelt, das kaum jemand als reines Gewerbegebiet wahrnimmt. Auf dem Gelände der ehemaligen Hermann-Löns-Kaserne und am Rand der Konversionsfläche entstand mit dem Hermann-Löns-Viertel ein Modell aus schicken Neubauten für wohnliche Nutzung und angrenzendem Gewerbe. Das Quartier könnte heuer unter LILA-Lage firmieren: Landschaft, Infrastruktur, Lebensqualität, Arbeit. Leben und arbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft. Besonderheit: Die Innenstadtnähe kommt dem Gros der ansässigen Betriebe durchaus entgegen.

Nah an der Region – nah am Kunden
Die omnipräsente Gladbacher Klage wegen der weiten Anfahrt zur Autobahn hört man im Hermann-Löns-Viertel eher selten. Warum auch: Wer hier Geschäfte macht, findet die Kundschaft größtenteils eh in der Region. An der Gustav-Stresemann-Straße und der Hermann-Löns-Straße sind u. a. zu finden: ein Großhändler für die Bedachungsbranche, eine Bäckerei, ein Printunternehmen, ein Bauunternehmen, Großhändler und Serviceanbieter für KFZ und NFZ, Handelsunternehmen, eine Badausstellung, ein Messgerätehersteller, Unternehmen für Holzbau, Metallbau, Hebetechnik und Befestigungssysteme, ein Finanzinstitut sowie eine Transportfirma. In unmittelbarer Nachbarschaft haben sich Dienstleister von Krankengymnastik über Weingroßhandlung bis Verlagshaus etabliert: Sie stehen in Summe für ein zum Leben erwachtes Stadtviertel zwischen Hand und Gronau, in dem man gut leben und arbeiten kann.

Private Entwicklungsgesellschaft
Entwickelt wurde das über 10 Hektar (ha) große Gewerbegebiet im Hermann-Löns-Viertel – heute offiziell Teil des größten Bergisch Gladbacher Gewerbegebietes West (65 ha) – übrigens nicht von der Stadt, sondern ab Ende der 90er-Jahre von einer ortsansässigen „Grundstücks- und Entwicklungsgesellschaft“: Die Gesellschaft im Besitz von Paffrather Raiffeisenbank (PRB) und Westdeutscher Genossenschaftszentralbank (WGZ) kaufte der Bundesrepublik Deutschland das Areal – 137.200 Quadratmeter neu ausgewiesener Baufläche im Bebauungsplangebiet „Ehemalige Hermann-Löns-Kaserne“; die gesamte Fläche umfasste 250.000 Quadratmeter – für seinerzeit kolportierte 25 Millionen Mark, umgerechnet 13 Millionen Euro, ab. Heute sicherlich ein Vielfaches wert, allerdings lagen die Zinsen seinerzeit ebenfalls ein Vielfaches höher.

Wachbataillon zog nach Berlin
Warum machte die Kaserne überhaupt dicht? Weil hier bis in die 90er das Wachbataillon stationiert war, ein Verband der Bundeswehr, der protokollarischen Ehrendienst bei Staatsbesuchen und anderen staatlichen Anlässen verrichtet, allerdings auch im Verteidigungsfall die Bundesregierung schützen soll. Der Umzug großer Teile der Regierung von Bonn nach Berlin im Sommer 1999 erforderte auch die Verlegung des Wachbataillons, das inzwischen in Siegburg konzentriert war.

Mitten im Leben: neues Stadtgemeindehaus
Neueste Entwicklung im Hermann-Löns-Viertel: Der Weg fürs Stadtgemeindehaus ist geebnet. Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hat in seiner Sitzung am 10. Juli 2018 beschlossen, die heutige Brachfläche im Bereich der sogenannten „Kleinen Mitte“ (Hermann-Löns-Straße) zu überplanen. O-Ton der Amtlichen Bekanntmachung der Stadt: „Da sich das bisherige Ziel des rechtsverbindlichen Bebauungsplans, an dieser Stelle ein kleines Quartierszentrum mit Läden und Dienstleistern anzusiedeln, in 17 Jahren nach Beschluss des Bebauungsplans nicht verwirklichen ließ, sollen gemäß der neuen Planung folgende Nutzungen angesiedelt werden: an der Hermann-Löns-Straße ein Nahversorger, alternativ nicht-störendes Gewerbe, im zentralen Bereich überwiegend Wohnnutzung, im Norden ergänzt um ein Stadtteilhaus mit Kita als künftiges soziales Zentrum des Hermann-Löns-Viertels.“ Das Stadtteilhaus mit integrierter, dreigruppiger Kita soll ein generationenübergreifender Treffpunkt werden – mit dem Schwerpunkt auf Kinder, Jugendliche und deren Familien, für das ganze Viertel und seine Nachbarquartiere.


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