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„Der Wolf kann überall auftauchen“

STADTGESPRÄCH. Erst einmal ist ein Wolf im Rheinisch-Bergischen Kreis nachgewiesen worden. In Rösrath riss das Tier zwei Ziegen. Das Thema Wolf wird häufig emotional geführt, beim Veterinäramt des Kreises aber geht man sachlich damit um und ist offensichtlich bestens vorbereitet. Klaus Pehle sprach mit Wolfsberater Wilfried Knickmeier.

VON KLAUS PEHLE

Sie ziehen oft weite Strecken. Wenn sich junge Wölfe von ihrem Rudel lösen, gehen sie gerne auf Wanderschaft. Sie streifen durch die Wälder und über Wiesen, manchmal über tausend Kilometer weit. Für den Menschen sind sie keine große Gefahr, denn Wölfe sind scheue Tiere und verschwinden meistens, wenn sie einen Menschen sehen. Bei ungeschützt weidenden Schafen oder Ziegen aber sieht es anders aus. 2016 riss ein junger Wolf in Rösrath-Menzlingen zwei Ziegen. Die Herde stand schutz- und wehrlos dort. Kein Hund, kein Zaun, der Wolf hatte leichte Beute.

Durch eine DNA-Analyse an den Kadavern wurde zweifellos festgestellt, dass es sich um einen Wolf handelte. Seine Spur konnte durch weitere Beutetiere nachverfolgt werden. Er zog weiter bis nach Rheinland-Pfalz und machte sich dann wieder auf den Heimweg in die Gegend von Cuxhaven.

Sesshaft ist hier in der Region kein einziger Wolf. Aber: „Sie können überall auftauchen“, sagt Wilfried Knickmeier. Der Diplom-Biologe ist beim Veterinäramt des Rheinisch-Bergischen Kreises unter anderem für den Artenschutz zuständig. Europaweit steht der Wolf unter Schutz und Wolfsberater wie er sorgen dafür, dass die zunehmende Wolfspopulation in Deutschland keine großen Probleme macht. Der Fall in Rösrath hat gezeigt, dass die Tiere überall in Erscheinung treten könnten. „Das ist zwar eine ländliche Gegend, aber doch sehr stadtnah, direkt an der Autobahn und auch andere Berichte zeigen, dass sie dicht an die Besiedelung herankommen.“

Wilfried Knickmeier

Spaziergänger und Wanderer sind aber nicht wirklich in Gefahr. „Wir haben in Deutschland seit einigen Jahren Wölfe und es ist noch nie etwas passiert.“ Trotzdem sollte man nicht sorglos agieren, wenn man einem der Tiere tatsächlich einmal begegnen sollte. Knickmeier rät: „Am besten stehenbleiben. In der Regel geht der Wolf dann weg. Junge Wölfe könnten neugierig sein, dann sollte man langsam rückwärtsgehen, aber nicht hektisch weglaufen.“ Ein Problem könnten nicht angeleinte Hunde sein. „Im Jagdbereich hat es da einige wenige Übergriffe gegeben“, weiß Knickmeier. Jäger müssen den Wolf als Konkurrenz um ihre gewohnt ergiebigen Jagdstrecken nicht fürchten. „Laut meinen Untersuchungen nimmt die Wilddichte durch den Wolf nicht ab, die Jagd könnte aber möglicherweise schwieriger werden, weil der Wolf im Wald für Unruhe sorgt.“

Für den Rheinisch-Bergischen Kreis geht der Biologe nicht davon aus, dass sich Wölfe hier dauerhaft niederlassen. Dazu wählen die Tiere wesentlich ländlichere Regionen aus. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich zentral hier bei uns ansiedelt, ist relativ gering, aber es könnte sein, dass wir hier irgendwann in eine Pufferzone kommen.“ Diese 900 bis 1.000 Quadratkilometer weiten Zonen werden rund um einen nachweislich niedergelassenen Wolf gezogen. Das nächste Wolfrevier von hier aus ist der Truppenübungsplatz Daaden im Westerwald. Das grenzt an Nordrhein-Westfalen, die Pufferzone reicht bis in den Oberbergischen und den Rhein-Sieg-Kreis. In diesen Zonen werden Besitzer von Weidetieren und die Bevölkerung besonders aufgeklärt. Seit März 2019 bekommen nordrhein-westfälische Nutztierhalter in diesen Zonen sogar 100 Prozent Förderung bei Schutzeinrichtungen. Knickmeier weiß durch Schulungen, was hier Sinn macht: „Man braucht einen wolfssicheren Zaun, ich empfehle immer auch eine Elektrifizierung. So lernt der Wolf, dass es schwierig ist, ein Nutztier zu erbeuten. Es ist wichtig, dass er negative Erfahrungen mit dem Zaun macht oder mit einem Herdenschutzhund, der ihn verjagt.“ Kommt es dennoch zu Rissen, werden die Halter zu 100 Prozent entschädigt – auch wenn sie nicht in einer der Pufferzonen leben.

Auf keinen Fall sollte man die Tiere anlocken, anfüttern oder in anderer Form an die Nähe zum Menschen gewöhnen. Denn dann ist es vorbei mit dem Artenschutz: „Wenn der Wolf lernt, dass er zum Menschen geht, wird man ihn abschießen, so wie auch einige Wölfe zum Abschuss vorgesehen sind oder schon abgeschossen worden sind.“

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