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Die Flutkatastrophe und ihre Folgen

Mit voller Wucht und vollkommen unvorbereitet hat die Flutkatastrophe im Juli Teile von Leverkusen in höchste Not gebracht. Jede Art von Hilfe war nötig, weil die Betroffenen allein nicht in der Lage waren, die immensen Schäden zu regulieren. Zahlreiche private Helfer und Institutionen arbeiteten Tag und Nacht, um einen halbwegs normalen Zustand herzustellen.

Manuel Bast

Vor Ort waren auch Mitglieder des Vorstands der Bürgerstiftung Leverkusen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Manuel Bast, seit über fünf Jahren verantwortlich für das operative Geschäft der Bürgerstiftung, sprach mit uns über die schlimmen Bilder, die sich ihm unmittelbar nach der Katastrophe boten, aber auch über die enorme Hilfsbereitschaft vieler Leverkusener Bürgerinnen und Bürger.

Sie waren unmittelbar nach Ausbruch der Katastrophe in den betroffenen Ortschaften und konnten sich einen ersten Eindruck verschaffen. War da schon absehbar, welches Ausmaß diese Wassermassen haben würden?

Bast: Als ich am Morgen des 15. Juli nach der Wohnung meiner Mutter schauen wollte, wurde mir das entsetzliche Ausmaß der Flut zum 1. Mal bewusst. Große Teile der Opladener Altstadt waren überflutet. Rückblickend war es surreal – Anwohner, die bis zum Hals im Wasser standen, um an ihre Autos zu gelangen, ein DLRG-Boot, das mir auf der Düsseldorfer Straße entgegenkam, angespülte Gefrierschränke in Gebüschen und eine fassungslose sowie schockierende Stille auf den Straßen, obwohl so viele Menschen unterwegs waren. Meine Gedanken gingen Richtung Wiembach und Ruhlach. Wenn es in der Altstadt schon so aussieht, wie muss es dann erst in den Wupper- und Wiembach nahen Wohngebieten aussehen. Der mit der Flut verbundene Schaden wurde mir erstmalig bewusst, als ich eine überflutete und vom Schlamm verdreckte Wohnung betreten habe.

Vier Wochen sind mittlerweile nach dem fürchterlichen Ereignis vergangen. Wie stellt sich die aktuelle Lage in Leverkusens betroffenen Gebieten dar?

Bast: Es ist aufgeräumter und sauberer, aber es ist für viele Bewohner alles andere als normal. Aufgrund der Unbewohnbarkeit von Häusern und Wohnungen mussten sich viele

Betroffene eine neue Bleibe suchen. Viele Menschen haben alles verloren. Das Materielle mag sich vielleicht noch ersetzen lassen, aber viele Erinnerungen sind für immer verloren. Diese Vorstellung berührt mich immer noch sehr. Bei vielen Telefonaten mit Betroffenen schlucke ich aufgrund der Schilderungen schon mal. Das schüttelst du auch als Außenstehender nicht so einfach ab. Hinzu kommt, dass der Wiederaufbau auch nicht so schnell geht. Aufgrund der immens hohen Anzahl an Betroffenen ist der ohnehin schon große Bedarf nach Handwerkern noch größer.

Was hat Sie rückblickend auf die letzten vier Wochen am meisten beeindruckt?

Bast: Die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Menschen und der innere Drang vieler, unbedingt mithelfen und anpacken zu wollen, fasziniert mich nach wie vor. Wenn wir uns von dieser Solidarität etwas bewahren können, leisten wir einen ganz großen Beitrag für die Gesellschaft. Als wir bei Freunden geholfen haben, fragte mich mein Kumpel nach einem Dank für die fremden Helfer. Ich habe gesagt, dass der größte Dank für die Helfer der Dank ist, die Hilfe zuzulassen.

Die Bürgerstiftung hat schon vielen Betroffenen geholfen. Welche konkreten Hilfeleistungen bieten Sie an?

Bast: Wir haben am 15. Juli die Spendenaktion „Leverkusen hilft“ gestartet. Aus diesem Aufruf ist die größte Sammelaktion der Stadt geworden. Durch über 5.000 Einzelspenden wurden mehr als 1,4 Millionen Euro gespendet. Hinter den 5.000 SpenderInnen verbirgt sich aufgrund der vielen Veranstaltungen, Fes-tivitäten, „Verkäufen bzw. Versteigerungen für den guten Zweck“ und Sammelaktionen eine wesentlich größere Zahl an Einzelpersonen. Seit dem 1. August prüfen wir die eingehenden Anträge und zahlen die Spendenmittel an die betroffenen Menschen aus. Die Vielzahl an Anträgen zeigt jedoch, dass weitere Spenden benötigt werden, weshalb wir nicht nachlassen, zu weiteren Spenden aufzurufen, denn jeder Euro zählt und hilft.

Schon durch die Maßnahmen der Corona-Pandemie sind viele Geschäfte in den Innenstädten in existentielle Nöte geraten. Durch die Flutkatastrophe hat sich deren Lage sicherlich noch dramatisch verschlechtert. Gibt es Aussicht auf Hilfe?

Bast: Als gemeinnützige Stiftung können wir hier finanziell nicht helfen. Hier sind die Länder und der Bund in der Verantwortung, für finanzielle Unterstützungen zu sorgen. Die Corona-Pandemie war für den Einzelhandel der Brandbeschleuniger und das Hochwasser hat es – obwohl eigentlich unvorstellbar – nochmals verschlimmert. Die Wirtschaftsförderung Leverkusen ist für die Unternehmen sehr aktiv, die unterschiedlichen Unterstützungen auf ihrer Homepage zur Verfügung zu stellen und Hilfe von Unternehmern untereinander zu vermitteln.

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