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Die Pandemie und ihre Folgen für die Wirtschaft

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat für viele Unternehmen existenzbedrohende Folgen. Die staatlichen Überbrückungshilfen sind oftmals nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wir sprachen mit der Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK Köln, Eva Babatz, über diese Problematik, aber auch über positive Zukunftsperspektiven.

Wie stellt sich die aktuelle Situation der Unternehmen im IHK-Bezirk Leverkusen/Rhein-Berg angesichts der Corona-Pandemie dar?
Das kommt sehr auf die Branche an, aber auch innerhalb der Branchen muss man differenzieren. Wichtigste Botschaft ist, dass auch unsere Region dank einer starken industriellen Basis diese Krise relativ gut gemeistert hat. Viele Industriebetriebe leiden derzeit allerdings unter Rohstoffverknappung, dadurch bedingte Kostensteigerungen und Produktionsverzögerungen. Im stationären Handel konnten Fachgeschäfte mit einem hohen Serviceanteil und Kundenbindung spätestens seit click & collect immerhin wieder aufholen, wohingegen der Versandhandel während der gesamten Pandemie durch die Decke ging. Die IT-Branche konnte ihre Umsätze durch vermehrten Bedarf von Heim-Arbeitsplätzen, die Installation neuer Anwendungen und die Gestaltung von Websites sowie Investitionen in IT-Sicherheit in der Regel ordentlich steigern.

Wie nehmen Sie augenblicklich die Stimmung in den Unternehmen wahr?
Das Bild, das mir die Mitglieder in unseren acht örtlichen Wirtschaftsgremien des RBK und Leverkusen spiegeln, stimmt hoffnungsfroh. Wir nehmen eine deutliche Aufbruchstimmung wahr, die sich aktuell verstärkt durch die sinkenden Inzidenzzahlen. Und endlich gibt es auch für die durch Corona existenziell betroffenen Branchen wie Gastro, Event und Touristik wieder Perspektiven.

Welche Unterstützung bietet die IHK betroffenen Unternehmen?

Eva Babatz, Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK Köln

Die IHK Köln hält ein individuelles und breit gefächertes Beratungsangebot für ihre Mitglieder bereit, zum Beispiel Corona-Newsletter, Corona-Internetseiten zur Selbsthilfe, Corona- und Finanzierungs-Hotline, Auskünfte zu Wirtschaftshilfen von Bund und Land, Krisenberatung, Beratung zu öffentlichen Fördermitteln, Existenzgründungsberatung, Stellungnahmen zu Gründung und Finanzierung. Hinzu kommt ein neues Projekt unserer Vollversammlung mit individueller Beratung durch erfahrene ehemalige Manager, die Wirtschaftssenioren.

Gibt es trotz Pandemie noch Unternehmensgründungen?
Ja, viele. Derzeit häufig im Nebenerwerb, oft bedingt durch die Kurzarbeit. Auffällig ist eine wachsende Zahl junger gut ausgebildeter Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt gut vermittelbar wären, aber offenbar neue Herausforderungen suchen. Außerdem gab es während der Pandemie viel Zeit zum Nachdenken und Schärfen des eigenen Profils.

Auf die Pandemie folgt die Digitalisierung. Auch hier wird es zu erheblichen Veränderungen im Arbeitsmarkt kommen. Sind Ihrer Meinung nach
Unternehmen und Arbeitnehmer hinreichend darauf vorbereitet?
Die Großunternehmen sind schon lange im Thema. Das gilt auch für den Mittelstand, der prozessorientiert arbeitet und seine Kunden kennt. Dennoch gibt es gerade im kleineren Mittelstand Unternehmer, die noch abwarten, da der Leidensdruck noch nicht groß ist. Manche scheuen die Kosten, denn Digitalisierung ist niemals „ein Anzug von der Stange“. Von einigen Unternehmern hören wir, dass sie gern digitaler werden wollen, aber nicht wissen, in welchen Bereichen sie ansetzen müssen. Glücklicherweise gibt es auf diesem Feld viele kompetente Beratungsunternehmen. Wer aktuelle Informationen zum Thema Digitalisierung benötigt, sollte den kostenlosen wöchentlichen I+K-Newsletter unserer IHK abonnieren.

In ganz Deutschland werden noch Auszubildende gesucht. Auch in Ihrem Bezirk?
Ja, viele unserer Mitgliedsunternehmen hatten bereits vor der Corona-Pandemie einen deutlichen Fachkräfteengpass. Ausbildung hatte und hat nun einen noch höheren Stellenwert bekommen. Um Zugang zu motivierten und ausbildungswilligen Bewerberinnen und Bewerbern zu bekommen, haben sich viele Unternehmen clevere Ideen einfallen lassen, um für die Ausbildung im eigenen Unternehmen zu werben. Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Schulen, die Bereitstellung von Praktikumsplätzen sowie die Teilnahme und Präsenz auf Ausbildungsmessen und -börsen gehörten hierzu. Allerdings: Mit den Lockdowns und geschlossenen Schulen fielen fast alle Recruiting-Veranstaltungen aus, der Kontakt der Wirtschaft zu Schülerinnen und Schülern funktionierte im Homeschooling kaum. Auch Praktika konnten nicht wie gewohnt angeboten und durchgeführt werden. Dies hatte zur Folge, dass freie Ausbildungsplätze oftmals gar nicht oder nur wenigen Bewerbenden bekanntgemacht werden konnten. Es zeigte sich, dass durch ausfallende Berufsorientierung in Schulen oft der Eindruck entstand, das gesamte Ausbildungsjahr 2020 falle aus. Ein fataler Irrglaube. Dies zeigte sich dann auch in der Statistik. Der Ausbildungsmarkt in der Region Leverkusen/Rhein-Berg ist seit dem Beginn der Pandemie deutlich eingebrochen. Zum Start des Ausbildungsjahres 2020 haben wir gegenüber 2019 rund 15 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse in unser Verzeichnis eingetragen. Zum 30. Juni 2021 konnte wieder ein Plus von fünf Prozent eingefahren werden. Trotzdem wird schnell deutlich, dass sich der Fachkräfteengpass durch die Pandemie noch weiter verschärfen wird. Für Unternehmen ist es daher umso wichtiger, sich als attraktive Ausbildungsbetriebe mit langfristigen Perspektiven für Fachkräfte zu präsentieren.

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