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Udo Güldenberg, Vorsitzender des DEHOGA im Rheinisch-Bergischen Kreis, berichtet vom Überlebenskampf des Hotel- und Gaststättengewerbes

„Ein zweiter Lockdown im Herbst wäre für unsere Branche das Ende“

Corona-Krise – so werden derzeit die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen zum lebenswichtigen Schutz vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 und die Lungenkrankheit COVID-19 bezeichnet. Ein Schutz, der nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert hat. Das weiß auch Udo Güldenberg, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA im Rheinisch-Bergischen Kreis. Und er zeichnet ein dramatisches Bild für diese Branche, deren Frühjahrs- und Festtagsumsätze verloren und deren Hoffnungen auf eine gute, zweite Jahreshälfte verhalten sind.

Gastronomie und Gastlichkeit haben im Rheinisch-Bergischen eine lange Tradition. Die Region ist für ihre sehr gute bis ausgezeichnete Küche und hervorragende Hotels weithin bekannt. Dann kam das Coronavirus. Wie ist die Lage heute?
Es ist dramatisch. Wirklich dramatisch. In jeglicher Hinsicht für alle Beteiligten, egal ob Gastronomie, Hotellerie, Catering oder kleine Kneipe. Ich habe in den vergangenen Wochen mit vielen Kollegen gesprochen und die Botschaft ist klar: Die Branche ist am Ende, das Existenzlimit ist erreicht. Die Pleitewelle wird kommen. Alles, was wir jetzt unternehmen, ist ein Versuch des Auffangens – ein letztes Aufbäumen und Dagegenstemmen mit wirklich allerletzter Kraft. Wenn nicht im Herbst das Bankett-Geschäft mit Firmen- , Familien- und Weihnachtsfeiern losgehen darf, droht vielen Häusern das Aus.

Die Gastronomie hatte doch relativ schnell die Möglichkeiten zum Außer-Haus-Verkauf erhalten. Das sind doch gute Entwicklungen, oder nicht?
Das sind gute Signale, aber so funktioniert unsere Branche nicht. Es geht in der Gastronomie nicht darum, die Leute möglichst schnell irgendwie satt zu machen. Es geht um das kulinarische Erlebnis, um Gastlichkeit, um Geselligkeit und Atmosphäre. Romantik und Charme eines Mittagessens aus der Aluschale mit der Plastikgabel sind, abgesehen vom Umweltaspekt, begrenzt. Begrenzt ist auch das betriebswirtschaftliche Potenzial solcher Notlösungen. In unserem Betrieb zum Beispiel haben wir fünf Säulen – das Restaurant, den Biergarten, eine schöne Gaststätte, dazu ein Catering und den Bankettbereich in unserem Saal. Wie in den meisten Häusern macht das Geschäft im Bankettbereich einen enormen Anteil am Jahresumsatz aus.

Der Bankettbereich ist seit zwei Monaten zu und voraussichtlich, solange Veranstaltungen untersagt sind, auch noch weitere Monate nicht oder nur eingeschränkt gestattet. Lässt sich das kompensieren?
Was dort weggebrochen ist, wird kein Kollege und werden auch wir nicht mehr einholen können. Das saisonale Geschäft zu Ostern, zu Kommunionen und Konfirmationen, viele Familienfeiern und Hochzeiten sind weg. Das sind verlorene Monate, die sich nicht nachholen lassen: So viele noch nicht belegte Wochenenden, die man dafür bräuchte, gibt es einfach nicht.

Seit wenigen Tagen dürfen Sie Ihre Gastronomie unter Auflagen wieder öffnen. Hilft das nicht weiter?
Nahezu alle Betriebe stellen sich gerade die gleiche Frage: Rechnet sich das überhaupt noch? Die Kosten für den Service gehen hoch, weil Kontaktdaten erfasst und bei jedem Gästewechsel die gesamte Tischwäsche gewechselt werden und alle Kontaktflächen an Stühlen, Tischen, Speisekarten und Gewürzmühlen desinfiziert werden müssen. Ich brauche im Prinzip 20 oder 30 Prozent mehr Personal, darf aber nur weniger als die Hälfte der möglichen Gäste bewirten. Auch Buffets sind verboten. Zudem müssen die Betriebe nun investieren, brauchen Desinfektionsmittelspender, abwaschbare Speisekarten und Ähnliches. Es wird für die Branche also schwer, angesichts der Verluste der vergangenen Monate die Zusatzausgaben der jetzt möglichen Öffnung zu kompensieren. Denn man muss es sich bewusst machen: Viele Häuser standen bereits vor der Krise zwar gut und solide dar, aber Rücklagen für ein verlorenes Jahr bei laufenden Kosten hat kaum jemand schaffen können.

Ab 1. Juli wird die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Weitere Soforthilfeprogramme sind noch in der Debatte. Gibt das Hoffnung?
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber die Existenzängste sind real. Unsere Branche kann derzeit kaum planen, wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Fest steht: Ein zweiter Lockdown im Herbst wäre für unsere Branche das Ende. Wir können nur kurzfristig reagieren und Einsparungen tätigen. Die Mehrwertsteuersenkung, die wir als DEHOGA seit Jahren fordern, wird uns helfen, zumindest einen Teil der Verluste aufzufangen. Mehr aber auch nicht. Wir wissen alle, dass nahezu alle Branchen von der Corona-Krise betroffen und Mittel zur Förderung begrenzt sind. Nun hoffen wir, dass wir die Wertschätzung und auch die Möglichkeit erhalten, uns durch gute Arbeit zu konsolidieren, aber auch einen Teil der Fördermittel erhalten, um die sich große Lobbys bereits in Stellung gebracht haben. Bis dahin wünsche ich meinen Kolleginnen und Kollegen aus allen Betrieben und Bereichen alles erdenklich Gute und viel Kraft, diese Krise durchzustehen.

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