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Karneval ganz leise feiern

Karneval ganz leise feiern

STADTGESPRÄCH. Kann man Karneval leise feiern – geht das? GL KOMPAKT sprach mit Frank Haag (1. Vorsitzender der KG Große Gladbacher und designierter Prinz Frank III.) und Alexander Pfister (Präsident der Großen Gladbacher KG) über die stille Session.

VON HANS-WERNER KLINKHAMMELS

Was machen Prinz, Bauer und Jungfrau in diesen Tagen, die unter normalen Umständen mit vielen Terminen gefüllt sind?

Haag: Tja, wir sind zwar Karnevalisten durch und durch, wir gehen aber im Augenblick ganz normal unseren alltäglichen Aufgaben im Beruf nach. Geplante Urlaube konnten mit Hilfe verständnisvoller Arbeitgeber umgebucht und auf spätere Termine verlegt werden. Selbstständige unter uns sind zum Teil froh, dass sie in der aktuellen Situation im Büro sein können. Nur die Jungfrau muss wohl ihren Urlaub nehmen. Insgesamt war es bis zur endgültigen kompletten Absage eine recht emotionale Geschichte, eine Hängepartie – schließlich wussten Prinz und Jungfrau seit 2014 um den Termin und freuten sich seither auf genau diese Session.

Pfister: Das Vereinsleben geht weiter – so sind wir Jecken eben. Die Programme für 2022 und 2023 werden geplant und vorbereitet. Das Zug- und Wurfmaterial wurde eingelagert, in den Vereinsabteilungen gibt es verschiedene Angebote, wie etwa den digitalen Adventskalender. Aber es gibt definitiv keine heimlichen Treffen oder Feierlichkeiten – ein solches Risiko würden wir nicht eingehen. Auch unsere Vorstandssitzungen finden online statt.

Alexander Pfister (links) und Frank Haag.

Die Große Gladbacher feiert in diesem Jahr drei Jubiläen: 70 Jahre Senat, 55 Jahre Prinzengarde und 11 Jahre Strunde-Pänz. Da drängt sich die Frage, wie denn in aller Stille ein derartiges Jubelfest gefeiert werden kann?

Pfister: Das Jubiläum ist umgeplant worden. Wir hatten einen schönen Plan, doch nun haben wir alle Jubiläumsveranstaltungen eins zu eins um ein Jahr verschoben. So werden im November dieses Jahres die Strunde-Pänz mit ihrer „Generalprobe“ die Feierlichkeiten beginnen, anschließend bietet die KG Große Gladbacher ein echtes Jubiläumsprogramm, das im Sommer 2022 mit dem Sommerfest fortgesetzt und im November mit dem Prinzengardenjubiläum enden wird – alles wie geplant, nur ein Jahr später. Die nach uns kommenden Dreigestirne rücken ebenfalls alle um ein Jahr nach hinten. Wir freuen uns, dass dies problemlos machbar war. Dafür danken wir mit einem leisen dreimol Gläbbich Alaaf.

Wie verkraftet eine KG die Ausfälle im Veranstaltungsbereich finanziell?

Pfister: Das hat uns anfänglich große Sorgen bereitet. Wir hatten Programme für unsere närrischen Veranstaltungen gebucht. Wir mussten also mit den jeweiligen Künstlern Kontakt aufnehmen und mit ihnen verhandeln. So wollten wir keine Künstler „im Regen stehen lassen“, niemand – also auch nicht wir – sollte wegen der vertraglichen Vereinbarungen schlecht dastehen. Das hat geklappt, wir befinden uns schließlich alle in einer „Schicksalsgemeinschaft“, sodass wir bei unseren Veranstaltungen lediglich auf jeweils kleinen Kosten sitzen bleiben. Und obwohl kein Sessionsheft aufgelegt wurde, haben manche Geschäftsleute den eingesparten Anzeigenpreis trotzdem überwiesen. Im Übrigen zahlt beispielsweise jeder sein Wurfmaterial für den Zug selbst, wir haben lediglich keine Kosten für Traktoren und Wagenengel – da ist die Ersparnis nicht so groß.

Was sagen die Mitglieder zu dieser Entscheidung?

Haag und Pfister: Alle haben Verständnis, viele natürlich mit einer „Träne im Knopfloch“, aber gleichzeitig sind auch alle heiß darauf, sich wieder treffen und sich wieder sehen zu dürfen. Das hören wir bei jedem Telefonat. Wir Vorstandsmitglieder reden sowieso täglich rund zwei Stunden über Karneval, aber ansonsten fällt alles aus: der monatliche Stammtisch, das Training, Touren, Ausflüge. Wir haben deshalb für unsere 417 Mitglieder einen digitalen Mitgliederbrief entwickelt. So können wir immer wieder Neuigkeiten und Infos unter die Leute bringen. Zudem haben wir aktuell für unsere Mitglieder und alle Karnevalinteressierten eine Überraschung geplant. Aber letztendlich muss man sagen: Mir Gläbbicher lossen uns nit unterkriejen. Wir freuen uns darauf, in der nächsten Session wieder richtig durchstarten zu dürfen.

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