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Stirbt der Wald?

Trockenheit und Borkenkäfer – große Koalition gegen unsere Bäume: Ja, dem deutschen Wald geht es schlecht. Auch den Wäldern und Bäumen in unserem Rheinisch-Bergischen Kreis.

VON HANS-WERNER KLINKHAMMELS

Im Wald sind Fichten, aber auch Buchen von der Trockenheit der vergangenen Jahre besonders betroffen. Kiefern und Eichen sind wohl hitzeresistenter. Vor allem dort, wo angepflanzt oder nachgepflanzt wurde, also eben dort, wo junge Bäume nachwachsen sollen, hat die lange Trockenheit ihren Tribut gefordert.

Hinzu kam die „Borkenkäferinvasion“. Buchdrucker und Kupferstecher haben in den vom Trockenstress geschwächten Bäumen ideale Bedingungen für die Vermehrung gefunden. Und wenn der Borkenkäfer in Massen kommt, kann sich auch die gesunde Fichte nicht mehr wehren. Dazu Wald und Holz NRW Waldschutzexperte Dr. Mathias Niesar: „Wir erleben derzeit den größten Borkenkäferbefall seit 1947.“ (1)

Und noch etwas fällt auf: Zurzeit werden viele Bäume geschlagen. Das ist aktiver Klimaschutz. 7,9 Millionen Kubikmeter Holz werden in Nordrhein-Westfalen jährlich „geerntet“, 9,4 Millionen Kubikmeter kommen durch das Wachstum der verbleibenden Bäume pro Jahr dazu. In dem Holz der gefällten Bäume ist eine Menge CO2 gespeichert, die der Baum in seinem Leben zum Aufbau seiner Zellen benötigt. Schon nach einem Jahr, so Wald und Holz NRW, sei oft nicht mehr viel von der Holzernte im Wald zu sehen, da die verbliebenen Bäume die Lücken schließen.

Bäume; Wald; Borkenkäfer; Waldsterben; Trockenheit; Sturm;
Überall in den heimischen Wäldern liegen noch die Baumstämme der gefällten Bäume aus dem letzten Herbst. Teils sind sie auch frisch geschlagen.

Wie sieht es aber aktuell aus? Die Trockenheit der vergangenen Jahre macht sich nach wie vor bemerkbar. „Durch den Regen der vergangenen Monate ist der Boden bis zu einer Tiefe von rund 50 bis 60 Zentimetern wieder ausreichend mit Wasser gesättigt, doch in den tieferen Bodenschichten ist es nach wie vor zu trocken,“ so Stephan Schütte von Wald und Holz NRW. „Aktuell überwintern viele Borkenkäfer unter der Rinde von befallenen Bäumen und in der oberen Bodenschicht. Bei einem trockenen und warmen Frühjahr ist mit einer Fortsetzung des Borkenkäferbefalls zu rechnen.“

Bäume; Wald; Borkenkäfer; Waldsterben; Trockenheit; Sturm;
Kaum sind die Schadflächen bereinigt, werden sie wiederbewaldet.

Daher, so Schütte weiter, könne man auch im Augenblick die tatsächlichen Ausmaße der Schäden noch nicht wirklich beziffern. „Wir wissen nicht, wie im kommenden Frühjahr die Bäume ausschlagen. Dann erst kann man sagen, ob nicht auch Buchen in bisher nicht gekanntem Ausmaß befallen sind und wie groß der Schaden letztendlich ist.“

Anders verhält es sich bei den Rodungen entlang den Autobahnen oder Landstraßen. Hier muss Straßen NRW dafür sorgen, dass für Verkehrsteilnehmer keine Gefahr von den Bäumen ausgeht. Verkehrssicherungspflicht und Pflege wegen zu dichtem Bewuchs greifen dabei ineinander. „Dies muss bis Ende Februar erledigt sein. Wegen des Vogelschutzes greift dann nämlich das gesetzliche Fällungsverbot. Forstbetriebe sind davon nicht betroffen, die dürfen auch im März und April Bäume schlagen – außer in Naturschutzgebieten“, ergänzt Schütte.

Beruhigend stellt er fest: „Im Königsforst werden im laufenden Winterhalbjahr rund 95.000 Bäume neu gepflanzt, überwiegend Buchen, Eichen, Esskastanien, Erlen, Vogelkirschen, Weißtannen und weitere Baumarten mit dem Ziel, den klimastabilen Mischwald von morgen zu pflanzen. Dafür werden etwa 285.000 Euro investiert. Der Wald kann so auch zukünftig seine Funktion als CO2-Speicher wieder erfüllen. Voraussetzung dafür ist immer eine schnelle Wiederbewaldung der Schadflächen.“

1 Zitat aus: Mensch Wald, FAQ – Dürrefolgen 2018, Herausgeber Landesbetrieb Wald und Holz NRW

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