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Gesundheit

Von der Vollmacht zur „Behandlung im Voraus Planen (BVP)“

Evangelische Altenpflege Bergisch Gladbach: Ein Projekt zur Verbesserung der Bewohnerautonomie im Haus Quirlsberg und im Helmut-Hochstetter-Haus.

VON PETER GAUCHEL

Sollen wir den Rettungsdienst rufen?“ oder „Müssen wir in jedem Falle wiederbeleben?“: Diese Fragen treten im Zusammenhang mit der Versorgung und Pflege hochbetagter Menschen in Senioreneinrichtungen immer wieder auf. Doch Angehörige oder Betreuer stehen damit oftmals vor Entscheidungen, die zum Teil unter Zeitdruck einmal getroffen, erhebliche Auswirkungen auf Wohlbefinden und Erleben, auch für Leben oder Tod, zur Folge haben können. Wichtigster Bezugspunkt zur Beantwortung dieser Fragen wäre jedoch einzig der Betroffene, sprich der Bewohner.

Um bereits im Vorfeld zu regeln, was an Behandlung „für den Fall der Fälle“ gewünscht wird, gibt es, schon seit Jahrzehnten Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Und obwohl sicherlich die meisten Menschen von der Sinnhaftigkeit entsprechender Verfügungen überzeugt sind, besitzen nur etwa 12 Prozent aller Seniorenheimbewohner eine entsprechende Formulierung ihrer individuellen Behandlungswünsche.

Für Pflegepersonal, Ärzte und Therapeuten sind die Verfügungen beziehungsweise der Wille und Wunsch des Bewohners jedoch eminent wichtig, weil sie sich sowohl aus ethischer wie auch rechtlicher Sicht am Willen des Bewohners zu orientieren haben. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass Verfügungen oftmals nicht zum Tragen kommen, teils wegen Unauffindbarkeit oder weil die rechtliche Verbindlichkeit nicht zweifelsfrei geklärt ist.

Hier setzt nun das Konzept der „Behandlung im Voraus Planen (BVP)“ an, das künftig von der Evangelischen Altenhilfe Bergisch Gladbach umgesetzt wird. Die Idee dahinter ist es, die individuellen Wünsche und Behandlungspräferenzen des Bewohners zu ermitteln, diesen entsprechend Raum und Beachtung zu schenken und damit Autonomie, Sicherheit und Selbstbestimmtheit in der letzten Lebensphase zu ermöglichen.

Dies geschieht durch einen qualifizierten, strukturierten und gut dokumentierten Gesprächs- und Beratungsprozess. Dieser basiert auf Freiwilligkeit und Neutralität der Gesprächsbegleitung und verfolgt den Grundsatz der „informierten Zustimmung“ (informed consent) des Bewohners, im Sinne einer vorweggenommenen, von Information und Aufklärung getragenen Festlegung von Therapie, Pflege und Behandlung. Diese soll für Ärzte, Pflegende und Betreuende handlungsleitend sein.

Die Evangelische Altenpflege hat hierzu ein Konzept für die Umsetzung des BVP entwickelt. Vor allem die Qualifizierung zweier erfahrener Mitarbeiterinnen des sozialen Dienstes zu systemischen Gesprächsbegleiterinnen ist ein wesentlicher Punkt. Anja Schedalke (Foto) und Martina Dominick gestalten den Gesprächsprozess, bei dem Werte und Grundhaltungen sowie Ziele und Behandlungswünsche des Bewohners ermittelt, artikuliert und reflektiert werden. Hierzu dient vor allem die gemeinsame Erörterung zukünftiger, hypothetischer Szenarien (Diagnosen, Erkrankungen, mögliche Krisen- und Notsituationen) sowie möglicher pflegerischer und medizinischer Interventionen.

So sollen mittels partizipativer Entscheidungsfindung Vorgehen und Behandlungspräferenzen exakt ermittelt und präzise festgelegt werden. Haus- und Fachärzte, Angehörige und Betreuer werden von Beginn an in den Gesprächsprozess mit einbezogen.

Die Dokumentation des mehrstufigen Begleitprozesses umfasst, neben den wesentlichen Inhalten der Gespräche, die ermittelten Präferenzen sowie Handlungsanweisungen für Krisen- und Notfallsituationen. Ein transparenter Informationsprozess in den Einrichtungen sichert die Archivierung, den Zugriff und den Transfer der Dokumente über Schnittstellen hinweg.

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