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Leben + Geniessen

KOLUMNE von Walter K. Schulz

Der Autor kam 1980 nach Rhein-Berg. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit als Zeitungsredakteur, Buchautor
(„Bläck Fööss“) und Fotograf (mit
verschiedenen Ausstellungen).

"Zu Risiken und Nebenwirkungen bei der Betrachtung von Alltagsnachrichten fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker. Trinken Sie lieber 'e lecker Tässchen Kaffee'… "

Wenn Sie mich fragen …

Wenn man nicht mit der Masse schwimmt

Mainstream ist keine Straße bei Monopoly und auch nicht der englische Begriff für den deutschen Fluss zwischen Fichtelgebirge und Mainz am Rhein. Mainstream beschreibt den Geschmack von Leuten, die mit dem Strom schwimmen.

In der Jugend schon total „ballaballa“: unser Kolumnist WKS in den späten 60ern in Sportschuhen mit einem „Haufen“ Bällen.

Wenn ich auf der Straße junge Leute sehe, die mit amerikanischen „All Stars“ von Converse daherkommen, muss ich immer grinsen. Ich glaube, die meisten wissen gar nicht, was sie da an den Füßen tragen, geschweige denn, was Basketball ist.

Gerade bei Klamotten und Tretern regiert der Mainstream.

Die All Stars waren ein Teil meiner jungen Jugend. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes „ballaballa“ und – damals mit einigen Sport- und Schulfreunden – in „meinem“ Porz Mitglied in einem Basketballteam. In der C-Jugend holten wir immerhin die Kölner Stadt-Meisterschaft und spielten später im Finale beim Westdeutschen Baketballverband.

Zu den Schuhen: Die All Stars waren knöchelhoch, um das Fußgelenk vorm Umknicken zu schützen. Doch damit war es nicht weit her. Das Ganze war nicht stabil genug. Mein Fußknöchel war öfter dick geschwollen als normal. Ich stieg um auf Halbschuhe und – adidas. Denn adidas war damals schon eine beliebte Marke. Gleichwohl hatte ich Fußballschuhe von Puma; denn die Fußballbrüder in Herzogenaurach mussten ja gleichermaßen bedacht werden. Anders als heute konnte man sicher sein, für die gewählte Marke nicht gehänselt zu werden. Heute kaum vorstellbar.

Beim heutigen Mainstream hält man sich unterdessen an das, was die meisten anziehen und hören wollen – aber auch denken und meinen. Man/frau folgen der breiten Masse. Menschen, die einen eigenen Stil entwickeln und auch noch querdenken, werden oft belächelt, ausgelacht und gemobbt.

Derweil gibt‘s auch Mainstream-Rock und Mainstream-Kino. Was vor allem die Musik- und Filmindustrie erfreut. Die Zeiten, in denen der Mainstream überall mit Applaus bedacht wird, scheinen aber vorbei zu sein. Das gilt besonders für Gesellschaft, Politik und Wissenschaft. Kritisches Denken, Hinweise auf Alternativen zeigen dem Hinterherdackeln mit der Masse die Rote Karte. Vielleicht schießt jetzt vielen das Motto „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ in den Kopf.

In der ZEIT habe ich einmal in einem Essay das Geständnis eines Autoren gelesen: „Manchmal schreibe ich Sachen, die ich nicht wirklich denke.“ Potzblitz! Aus dem Mund eines Bundespolitikers hörte ich jetzt, der Mainstream sei links unterwegs. Da schrie mein Inneres auf! Populismus tendiert doch meist nach rechts, glaube ich fest.

Denken Sie mal drüber nach! Weitab aller Strömungen!

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