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Ehrenamt in der Pandemie. SV09 Jugendleiter Detlef Gereke mit Trainer Kelvin Hardt

Wichtiger denn je: Das Ehrenamt in der Pandemie

STADTGESPRÄCH. Staat und Kommunen können ohne Ehrenamt nicht existieren. Darin ist man sich einig. Das Ehrenamt stopft in allen Bereichen des täglichen Lebens die Löcher dort, wo die öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt. Darüber sprach GL KOMPAKT mit zwei Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen ihre ehrenamtliche Tätigkeit ausüben.

VON HANS-WERNER KLINKHAMMELS

Roman Salyutov engagiert sich in kulturellen Belangen. Musik ist seine Leidenschaft. Er dirigiert das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach, hilft bei der Organisation und initiiert Festivals und Kulturtage und ist Vorsitzender des Vereins Musik- und KulturFestival GL. Detlef Gereke ist eher der sportlichen Seite zugewandt. Schon seine Frau hat selbst Fußball gespielt, er ist seit 16 Jahren im Ehrenamt beim SV 09 Bergisch Gladbach unterwegs, davon die letzten zehn Jahre in der Jugendleitung.

Beiden ist die soziale Komponente des Amtes gerade in diesen Zeiten sehr bewusst. Salyutov geht sogar noch einen Schritt weiter: „Nach dem letzten Konzert und den letzten Proben Ende Oktober 2020 habe ich mich ehrenamtlich in Schulen engagiert.“ Er nahm Bilder des befreundeten Künstlers Manfred Bockelmann aus dessen Serie „gegen das Vergessen“ mit in Schulen und diskutierte dort mit Schülern aller Altersstufen über den Nazi-Terror. „Vor der Pandemie hatte ich für derartige Dinge kaum Zeit gehabt, nun rückt das Ehrenamt in den Vordergrund, weil tatsächlich keine Profiaufträge da sind“, erklärt er seine Aktivitäten. Und noch eins macht ihm Sorgen: „Ich weiß nicht, wo die MusikerInnen des Sinfonieorchesters musikalisch im Augenblick stehen. Man bleibt zwar digital in Kontakt, das ist auch wichtig, aber einen musikalischen Überblick habe ich nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ich mit einigen Musikern über meine Homepage digitale Konzerte anbieten kann. So bleibe ich mit dem Kern des Sinfonieorchesters und des Vereins auch in musikalischem Kontakt“.

Kontakt ist auch für Gereke das Wichtigste. In WhatsApp-Gruppen, über Zoom oder Facebook geht vieles. „Manche Trainer spielen mit ihren Jugendmannschaften Stadt-Land-Fluss mit fußballerischen Fragen“, erzählt er und weiß, dass es ungemein wichtig ist, den Kindern auf diese Art eine Perspektive zu geben.

Ehrenamt in der Pandemie, Roman Salyutov

„Der soziale Auftrag, die Kommunikation ist jetzt umso wichtiger, die jungen Menschen brauchen Fixpunkte, an denen entlang sie sich durch die Corona-Zeit hangeln können“, sagt er. Da, wo ansonsten das Vereinsleben pulsierte, ist es komplett zum Erliegen gekommen. Seit Oktober gibt es keine gemeinsamen Aktivitäten mehr. Gerade erst durften wir – mit bestimmten Einschränkungen – mit dem Training wieder beginnen“. Die Pandemie habe aber auch etwas Gutes. „Sie macht deutlich, auf welch hohem Niveau wir zuvor gejammert haben. Wir können jetzt wertschätzen, was wir vor der Pandemie hatten“.

Die Digitalisierung habe in vielen Bereichen geholfen. Darauf weisen Gereke und Salyutov hin. Wo auf der einen Seite musikalische Online-Übungsstunden angeboten werden, stehen andererseits digitale Fitness-Pläne zur Verfügung. Die Pandemie ohne virtuelle Angebote sei nicht vorstellbar, hier könne man jedenfalls vielschichtig aktiv sein.

Beide sind sich einig, dass man gestärkt aus diesen Zeiten hervorgehen wird. Dazu Salyutov: „Diese Zeiten sind ein gewaltiger Crash-Test. Aber wir waren und sind gezwungen, Lösungen in scheinbar ausweglosen Situationen zu suchen und zu finden. Das stärkt Geist und Seele“, und Gereke ergänzt: „Wir haben festgestellt, dass wir große Herausforderungen stemmen können und bei uns der Zusammenhalt stimmt – von den Senioren bis hinunter zur jüngsten Mannschaft. Die Pandemie schweißt zusammen.“

Jedoch gibt es auch Wünsche für die Zeit danach. „Vieles wird auf ehrenamtlichen Schultern ausgetragen“, sagt der Musikwissenschaftler. „Ich wünsche mir, dass sich die Politik nicht daran gewöhnt, dass man sich in diesen Zeiten verstärkt ehrenamtlich engagiert. Die soziale Komponente und die Kultur sind Dinge, woraus die Menschen ihre Kraft schöpfen, sie sollten nach der Pandemie besser gefördert werden“. Der sportliche Leiter der Jugendabteilung hofft, dass es in Zukunft mehr Unterstützung und mehr Mitstreiter im Ehrenamt gibt. „Die Last ruht auf wenigen Schultern, da wäre es schön, wenn sich hier ein paar Menschen mehr engagieren würden“.

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