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Aktuell

Wir sind die Müll-Weltmeister

STADTGESPRÄCH. Der Müll, den die Menschen produzieren, ist ein Dauerbrenner. Nicht nur in den Müllöfen. Aktuell ist Plastikmüll in aller Munde. Wir fragten nach: Wo bleibt eigentlich der Abfall der Gladbacher? Wo landet er?

VON WALTER K. SCHULZ

Hannes Jaenicke (58), Schauspieler und Umweltaktivist, schimpft vom TV-Schirm: „Plastik ist die Pest des 21. Jahrhunderts“. Anlass: In den Meeren sammeln sich riesige Müllfelder, die aus den Ozeanen dort hingespült werden. Das Entsetzen ist groß. Die Prognose: Im Jahr 2050 könnte es mehr Plastik als Fische im Meer geben.

Das bunte Zeug wird nicht nur (in geringen Mengen) von Dampfern aus ins Wasser geworfen, es stammt vielmehr aus illegalen Verklappungen und weggespülten Entsorgungen und Kippen.

Dass auch Plastikmüll aus GL irgendwo im Meer auftauchen kann, will der Chef des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs Bergisch Gladbach (AWB, 1995 gegründet, 87 Mitarbeiter), Wilhelm Carl, „nicht ausschließen“. „Müll nimmt immer den Weg, der am preisgünstigsten ist“, sagt der 61-Jährige. Für den Export gilt: „Vom Versand an ist nichts mehr unter Kontrolle. Die Spur verliert sich.“ Es heißt, dass auch 700.000 Kubikmeter Plastikmüll in der Nordsee schwimmen. Zudem gelangen große Mengen Mikroplastik aus der Kosmetik ins Abwasser.

Kunststoffmüll löst sich natürlich nicht im Wasser auf … Und so kreisen Kühlboxen und Plastiknetze, Tüten und Flaschen, Kanister und Plastikstühle im Meer. Und sie werden von den UV-Strahlen der Sonne, vom Salz des Wassers und vom Wind porös. Sie werden von den Kräften der Wellen zermalen, zu immer kleineren Teilen. Aber auch sie verschwinden nicht, sondern sind ein großes Problem für die Ökosysteme.

Anders als im Fußball hat Deutschland nun einen besonderen Titel: Der „Müll-Weltmeister“ (so Medien) ist europäischer Spitzenreiter in Sachen Kunststoff. Dabei haben die Deutschen der Welt immer wieder erklärt, wie Mülltrennung funktioniert, so die Kritik.

Immer mehr Einzel- und „To-Go“-Verpackungen werden nicht vernünftig entsorgt oder recycelt. Fast-Food-Boom und das Discounter-Prinzip: Nur abgepackte Produkte werden verkauft. Durch die Wegwerfmentalität kommt der Bundesbürger mittlerweile auf bis zu 213 Kilo Verpackungsmüll pro Jahr – Negativrekord.

Deutschland exportiert riesige Mengen Altverpackungen. Erst nach China. Jahrelang belieferten Containerschiffe aus China die Welt mit Konsumartikeln, jahrelang nahmen sie auf dem Rückweg Abfall mit. China kümmerte sich und zahlte auch noch dafür. Ostasien tritt nun in die Fußstapfen.

Lokales Recycling gilt heute als lukrativer. Allerdings müsste der Müll dafür erst von Konsumenten und dann von Maschinen besser sortiert werden. Und es wird umgedacht: Die EU-Kommission schlägt ein Verbot von Plastiktellern und -geschirr, Trinkhalmen, Wattestäbchen und Luftballonhaltern aus Plastik vor.

Verpackungen für sofort verzehrte Lebensmittel wie Coffee-to-go-Becher sind ein großes Übel. „Die Becher gehören als erstes verboten“, sagt Wihem Carl. Sie verstopfen Müllbehälter und sorgen durch das Auslaufen von Resten für große Flecken. Und Carl bezeichnet 5 bis 10 Prozent der Bürger schlichtweg als „Ferkel“. Grund: der wilde Müll. An Straßenrändern, auf Parkplätzen und am Waldrand. Hier liegen Fast-Food-Müll, Bonbontüten, Kaugummis. „Während der Fahrt wird fleißig aus dem Fenster geworfen.“ Und Straßenreinigung, GL-Service und Bürger-Putzkolonnen haben‘s an der Backe. Wie auch die Hundekot-Tüten, die auch gerne in einen bestimmten Brombeerbusch in GL geworfen werden (immerhin im Beutel!).

Gelber Sack und Gelbe Tonnen sind in GL Sache der Firma Neuenhaus (Kürten). Inhalte der Grauen Restmülltonne rollen zum Leverkusener Müllofen und der Biomüll zur Lindlarer Leppe. Die Blaue Tonne ist fürs Papier, während grüne, weiße und braune Flaschen in den Glascontainern landen.

Müllmengen 2017 für GL:

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