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Das Zanders-Werksgelände – hier hatten zum Schluss rund 400 Menschen Arbeit.

Zanders – wie geht‘s weiter?

STADTGESPRÄCH. Schon im Jahre 1582 wurde in Bergisch Gladbach Papier gemacht. Nach wechselhaften Erfolgen fiel 1822 erstmals in diesem Zusammenhang der Name Zanders, wobei Johann Wilhelm 1829 als alleiniger Eigentümer die Firma übernahm und ihr den Namen gab. Mehrere Unternehmen waren seit 1992 Eigentümer. Der Name blieb. Zanders war Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach war Zanders.

VON HANS-WERNER KLINKHAMMELS

Nun ist es aus. Anfang März ging die Papierfabrik Zanders in die Insolvenz, am 30. April war dann endgültig Schluss. Zuletzt waren hier noch 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebevoll Zandrianer genannt, beschäftigt.

Viele Schicksale. Viele Betroffene. Familienväter, die teilweise schon in dritter, vierter Generation der Firma Zanders die Treue hielten. Was wird jetzt aus ihnen? Zunächst hieß es, dass Stadt, Betriebsrat, Werksleitung und Insolvenzexperten sich dafür einsetzen würden, den Beschäftigten eine berufliche Perspektive zu vermitteln. Doch vieles wurde verworfen, weil es nicht machbar oder sinnvoll sei. So hatte Bürgermeister Frank Stein betont, dass neben den bewährten Strukturen der Agentur für Arbeit keine neuen Parallelstrukturen entstehen dürfen.

Und so kam es: Mitte Juni waren rund 200 Zandrianer bei der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach als arbeitslos gemeldet. Mehr als zehn Prozent hatten bis dahin bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden. „Zudem stehen wir in engem Kontakt zu Arbeitgebern, um die Auszubildenden zu vermitteln und ihnen die Weiterführung und den Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen“, heißt es seitens der Agentur. Es werden Gespräche geführt, Profile erstellt, Bedarfe des Arbeitsmarktes abgeklopft. „In Kürze anstehende virtuelle Bewerbertage und eine geplante Job- und Qualifizierungsmesse im Herbst lassen die positive Prognose zu, vielen Betroffenen zeitnah realistische Jobperspektiven bieten zu können“, macht die Agentur Mut.

Besondere Programme sind anscheinend nicht geplant. „Wir setzen auf die uns zur Verfügung stehenden, bewährten Förder- und Qualifizierungsinstrumente“, so der Standpunkt der Agentur.

Zusätzliche Hilfe signalisiert die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (RBW). „Wir sind im gesamten Kreisgebiet mit den Unternehmen eng vernetzt. Gerne nutzen wir unsere Kontakte und machen auf das Potenzial der ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Zanders aufmerksam“, erklärt Geschäftsführer Volker Suermann.

Taner Durdu ist das noch zu wenig. Der ehemalige Zanders-Betriebsratsvorsitzende ruft um Hilfe. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liege bei 54 Jahren, sagt er. „Die hoch Qualifizierten bekommen wieder Jobs, ich bezweifle aber für die anderen, dass es ohne Hilfe geht. Ein Drittel hat Migrationshintergrund, sie benötigen Hilfe bei der Bewerbung, bei der Gesprächsführung. Sprachkurse sollten angeboten, eine Transfergesellschaft gegründet werden. Agentur, Insolvenzverwalter und Stadt müssen gemeinsam helfen.“

Die Insolvenz des jahrhundertealten Familienunternehmens Zanders wird Bergisch Gladbach noch lange in Atem halten – und hoffentlich für alle ein gutes Ende nehmen.

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